Die neue Fischer+Krämer – Orgel 2005

 

Mitglieder des Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrates gründeten im Herbst 2002 einen Orgelbauausschuss, der sich mit den Fragen zur neuen Orgel, vornehmlich Finanzierung und Stilrichtung beschäftigen sollte.

 

Man war sich einig, nicht den Weg einer angeblichen Kompromisslösung zu gehen, auf dem fälschlicher Weise alle Stilepochen adäquat spielbar sein sollen. Maßgabe war, eine konsequente Stilrichtung zu verfolgen, sie zu interpretieren, jedoch ohne eine Kopie anzufertigen.

Der neuen Orgel sollte ein französisch- symphonisches Klanggewand, ähnlich wie der französische Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll (1811-1899) es ausführte, gegeben werden, eine Stilrichtung die bei einer Orgel dieser Größe in der Umgebung einzigartig ist.

 

Charakteristisch dafür ist vor allem ein weiter, doch satter und verschmelzungsfähiger Klang der Grundstimmen (Jeux de fonds), ergänzt durch eine große Palette von Zungenstimmen (anches), die durchaus dominant sind, charakteristischen Solostimmen (z.B. Voix humaine, Hautbois, Flûte harmonique) und eine große crescendo- bzw. diminuendo- Wirkung durch ein dickwandiges Schwellwerk (Récit expressif), das der Orgel ein insgesamt orchestrales Klangbild gibt. Auch der Winddruck der einzelnen Werke ist unterschiedlich hoch, um die Charaktere der Teilwerke zu unterstreichen.

Zu erwähnen ist, dass Cavaillé-Coll die Klangeigenschaften der klassischen französischen Barockorgel weiterentwickelte und ihr romantische Stilelemente (streichende, schwebende und überblasende Register) zufügte.

 

Eine romantische Orgel deutscher Ausprägung von Christian Gerhardt (1929) ist original erhalten in der Herz-Jesu-Kirche in Gustavsburg zu bewundern.

 

Vom Orgelbauausschuß mit diesen Vorgaben beauftragt, entwarf der Organist Marco Lopes Ginja für die neue Orgel in St. Kilian eine Disposition mit 30 klingenden Registern und sieben Spielhilfen auf zwei Manualwerken und ein Pedalwerk, die vom Sachverständigen Dr. Achim Seip um drei Register auf insgesamt 33 Register ergänzt wurde.

Das Klangkonzept dieser Disposition sucht einen dynamischen, beweglichen Verschmelzungsklang, der gerade für die Liturgie vielfältigste Schattierungen und Untermalungen bereithält, statt einem abgestuften Gegenüber der Teilwerke.

 

Zur angestrebten Konsequenz gehörte auch die entsprechende Gestaltung des Spielschrankes. Deswegen entwarf der Organist auch die Spielanlage nach französischem Vorbild, ähnlich den in den Unterbau der Orgeln integrierten Spielschränken in Saint-Etienne in Caen, Saint-Ouen in Rouen oder in Saint-Sernin in Toulouse.

Dazu gehört, dass die Registerzüge sich an terrassenförmig abgestuften Backen zu beiden Seiten der Klaviaturen befinden. Zur linken Seite befinden sich stets die Grundstimmen 16’, 8’, 4’ mit den Solozungenstimmen Basson – Hautbois und Voix humaine, zur rechten Seite alle Stimmen ab 2 2/3’, Mixturen und Zungenstimmen.

Die Registerzüge befinden sich also seitlich zu den Manualen, an denen sie auch spielbar sind. Die dritte, oberste Reihe ist für die Pedalregister und die Koppeln vorgesehen, so dass die gesamte Aufteilung klar und funktional ist. Die Beschriftung der zu den Registerzügen gehörenden Porzellanschildchen erfolgt in lateinischer Druckschrift, schwarz für die Labialstimmen, rot für die Zungenstimmen.

Die Registerzüge sind aus Grenadill, ebenso die drei Fußtritte im Fußbrett. Die Untertasten der Manualklaviaturen haben eine Beinauflage, die schwarzen Obertasten sind aus Ebenholz.

 

Das neue, aus massiven Eichenholz in klassischer Rahmen- und Füllungbauweise gefertigte Gehäuse, ist außer nach vorne hin vollständig geschlossen. Dies gibt für den Klang einen zusätzlichen Resonanzraum. Die Gesamtfläche des Gehäuses wird rhythmisch durch drei markante „Türme“ gegliedert. Der Prospekt besteht nur aus mittleren und großen Pfeifen der Montre 8’ und der Flûte ouverte 8’.

 

Im Sommer 2004 wurde, nachdem einige Orgeln verschiedenster Orgelbauer besichtigt und angehört wurden ein Vertrag mit der in Endingen am Kaiserstuhl ansässigen Orgelbauwerkstatt Fischer+Krämer geschlossen und als ihr Opus 176 am 17. Juli 2005 feierlich eingeweiht.

 

Die neue Fischer+Krämer - Orgel besitzt insgesamt 2229 Pfeifen, verteilt auf Hauptwerk, symphonischem Schwellwerk und Pedalwerk.

 

Marco Lopes Ginja

 

 

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© Thomas Niklaus